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Messdienstleister: Kosten fürs Heizung ablesen zu hoch?

Bei Mieter*innen lesen meist Messdienstleister die Heizungen ab und erstellen die jährlichen Heizkostenabrechnungen. Die Unternehmen machen zwar überall den gleichen Job – allerdings zahlen Haushalte zwischen Kiel und München unterschiedliche Preise. Oft sind die Kosten zu hoch. Mieter*innen können sich wehren und einen günstigeren Anbieter verlangen.

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Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Messdienstleister oft zu teuer
  • Mieter*innen können Wechsel zu günstigerem Anbieter verlangen
  • kaum Wettbewerb: fünf Unternehmen beherrschen Messdienstleister-Markt
  • Zusatzkosten bei verpasstem Ablesetermin nicht erlaubt

Wer bezahlt die Kosten für das Ablesen der Heizung?

Die Mieter*innen tragen die Kosten für das Ablesen der Heizung und das Erstellen der Heizkostenabrechnung. Zwar beauftragen Hausverwaltungen oder Vermieter*innen den Messdienstleister – aber sie legen die Kosten im Rahmen der Heizkostenabrechnung vollständig auf die Mieter*innen um. Das kann zu Konflikten führen: Denn sind die Kosten für das Ablesen zu hoch, müssen die Mieter*innen Druck auf die Hausverwaltung oder Vermieter*innen ausüben. Da diese die Kosten auf die Mieter*innen umlegen können, haben sie keinen hohen Anreiz günstige Anbieter auszuwählen.

Sind die Messdienstleister-Kosten wirklich zu hoch?

Rund ein Viertel aller Haushalte bezahlt im Verhältnis zu den eigenen Heizkosten mehr als 15 Prozent für Ablesedienste. Zu diesem Ergebnis kam im Sommer 2019 eine Untersuchung der Marktwächter Energie – ein Projekt der Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. Geprüft wurden etwa 1.700 Heizkostenabrechnungen. Das bedeutet: Jeder vierte Haushalt zahlt zu hohe Ablesekosten.

Verhältnis der Ablesedienst-Kosten zu den Energiekosten: Rund ein Viertel aller Haushalte bezahlt im Verhältnis zu den eigenen Heizkosten mehr als 15 Prozent für Ablesedienste.

Infografik der Verbraucherzentrale: Verhältnis der Ablesedienst- zu den Energiekosten

In einer Auswertung von co2online aus dem Jahr 2010 zahlte jede/r Mieter*in 13 Euro zu viel für den Messdienstleister. Der teuerste Anbieter verlangte im Schnitt rund 75 Prozent mehr als der günstigste. Unklar ist, wie groß der Preisunterschied aktuell ist. Zwar hören sich 13 Euro pro Haushalt nicht besonders dramatisch an. Allerdings gibt es mehr als 15 Millionen Mietwohnungen mit Zentralheizung in Deutschland. Sollten die Kosten also immer noch vergleichbar hoch sein, würden Mieter*innen hierzulande jährlich fast 200 Millionen Euro zu viel für das Ablesen der Heizung zahlen.

Ab wann sind die Kosten für die Ablesung zu hoch?

Die Kosten für die Messgeräte und das Ablesen der Heizung sind zu hoch, wenn sie mehr als 15 Prozent der Heizkosten betragen. Im Allgemeinen wird angenommen, dass durch die verbrauchsabhängige Abrechnung Energie gespart wird und damit die Heizkosten um etwa 15 Prozent sinken. Entsprechend erlaubt die Heizkostenverordnung Mieter*innen die Heizkostenabrechnung um 15 Prozent zu kürzen, wenn die/der Vermieter*in nicht verbrauchsabhängig abrechnet.

Das Wirtschaftlichkeitsgebot im Bürgerlichen Gesetzbuch verbietet es Vermieter*innen und Hausverwaltungen, unnötig hohe Kosten an Mieter*innen weiterzugeben. Wenn also die Kosten für das Ablesen und den Betrieb der Messgeräte mehr als 15 Prozent der Heizkosten betragen, ist dies für Mieter*innen nicht mehr wirtschaftlich, da die verbrauchsabhängige Abrechnung mehr Geld kostet als spart.

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Gründe für zu hohe Messdienstleister-Kosten

Hauptgrund für zu hohe Kosten für Messdienstleister ist das bereits erwähnte Dreiecks-Verhältnis: Messdienstleister werden von Hausverwaltungen und Vermieter*innen beauftragt. Die Kosten für die Messdienstleister tragen jedoch die Mieter*innen. Hausverwaltungen haben deshalb keinen besonderen Anreiz, Angebote zu vergleichen und die/den günstigste/n Anbieter*in zu beauftragen. 

Es gibt aber noch einige weitere Gründe, warum selten günstigere Anbieter ausgewählt werden:

  • Ein direkter Vergleich von Preisen und Angebotsinhalten ist mitunter schwierig, weil die Anbieter unterschiedliche Preisbestandteile ausweisen. Manche Hausverwaltungen scheuen daher den Aufwand der Angebotsvergleiche und bleiben aus Gewohnheit im bestehenden Vertrag.
  • Große Immobilienunternehmen betreiben teilweise eigene Messdienstleister für ihre Gebäude. Ein Wechsel zu einem eventuell günstigeren externen Anbieter ist somit ausgeschlossen.
  • Mehr als 200 Messdienstleister gibt es auf dem Markt – dennoch wird er von wenigen Anbietern dominiert. Die zwei größten Unternehmen Techem und Ista haben einen Marktanteil von 50 bis 60 Prozent. Gemeinsam mit Brunata München, Minol und Kalorimeta sind es sogar 70 bis 80 Prozent. Das bedeutet: Die fünf großen Anbieter bilden ein Oligopol. Deshalb sind die Messdienstleister kaum dazu gezwungen, über den Preis neue Kund*innen zu akquirieren. Auch Preiserhöhungen der führenden Anbieter sorgen nur selten dafür, dass Hausverwaltungen oder Vermieter*innen zu günstigeren Messdienstleistern wechseln.

Das Problem betrifft also nicht nur die Kosten für die Ablesepreise, sondern das gesamte Marktgeschehen. 

Der Markt der Messdienstleister fürs Heizungsablesen

Das Bundeskartellamt hat 2017 den Markt der Messdienstleister untersucht. Die Untersuchung deckt Ursachen und Hintergründe auf, warum es selten zu Anbieterwechseln kommt und es kein echtes Marktgeschehen gibt.

Grund 1: Mieter*innen bleiben passiv

Mieter*innen tragen kaum etwas zur Marktbewegung bei. Nur selten fordern sie bei ihren Hausverwaltungen einen Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. Die Gründe hierfür sind vielfältig:

  • Für viele Mieter*innen sind die Kosten der Messdienstleister in der Heizkostenabrechnung nur schwer nachvollziehbar.
  • Vielen Mieter*innen sind die Alternativen nicht bewusst. Sie wissen meist gar nicht, dass in ihrer Region neben den großen Anbietern oft auch viele mittelständische Messdienstleister aktiv sind.
  • Angebote müssen in der Regel von Vermieter*innen oder Hausverwaltungen eingeholt werden.
  • Die Angebote der Messdienstleister lassen sich im Detail oft nur schwer miteinander vergleichen.
  • Die Mieter*innen einer Liegenschaft müssten sich über das Verlangen eines Wechsels weitgehend einig sein, um genügend Druck auf die Hausverwaltung ausüben zu können.

„Vielen Mieterinnen und Mietern fällt es schwer zu prüfen, ob die eingesetzten Messgeräte eventuell zu teuer sind – oder ob andere Messdienstleister für ihren Service weniger verlangen. Zudem ist der Preis nicht der einzige Faktor, auf den sich Vermieterinnen und Vermieter bei der Auswahl eines Dienstleisters berufen können. Bei der Vergabe des Auftrags spielen beispielsweise auch die Zuverlässigkeit einer Firma oder die guten Erfahrungen in der bisherigen Zusammenarbeit eine Rolle.“

Dietmar Wall, Rechtsexperte beim Deutschen Mieterbund

Grund 2: Messtechnik ist nicht kompatibel

Die führenden Messdienstleister stellen Heizkostenverteiler selbst her oder lassen sie exklusiv für sich fertigen. Gleiches gilt für die Software zur Fernablese der Geräte und zum Erstellen der Heizkostenabrechnung. Geräte und Software sind in der Regel nicht kompatibel mit denen anderer Unternehmen. Bei einem Wechsel des Dienstleisters erhält der neue Anbieter keinen Zugang zur eingesetzten Software und/oder kann benötigte Ersatzteile nur zu überhöhten Preisen kaufen. Oftmals muss daher die komplette Technik getauscht werden, was hohe Kosten für die Mieter*innen verursacht.

Grund 3: langfristige Mietverträge

Die meisten Heizkostenverteiler werden von den Hausverwaltungen nicht gekauft, sondern gemietet. Die bestehenden Mietverträge sind oftmals langfristig bindend. Das Zeitfenster für einen Anbieterwechsel zu möglichst geringen Kosten ist in der Regel sehr klein. Schließlich müssen nicht nur Kündigungsfristen, sondern auch die Eichfristen der Heizkostenverteiler eingehalten werden. Wenn der neue Anbieter parallel eigene Geräte einsetzen würde, müssten die Mieter*innen doppelte Kosten für die alten und neuen Heizkostenverteiler tragen.

Grund 4: Startschwierigkeiten für neue Anbieter

Neue Anbieter müssen bei Markteintritt über hohe Finanzmittel verfügen. Schließlich finanzieren sie die Anschaffungskosten für die Heizkostenverteiler vor, die sich erst über die Jahre durch die Mieteinnahmen amortisieren. Daher müssen die führenden Unternehmen keinen nennenswerten Konkurrenzdruck durch neue Messdienstleister fürchten.

Grund 5: Verflechtungen der Branche

Die Branche ist stark miteinander verflochten. So gibt es Immobilienunternehmen, die selbst Heizkostenabrechnungen erstellen oder in den Gremien von Messdienstleistern vertreten sind. In solchen Fällen gibt es noch weniger Anreize, zu einem anderen Messdienstleister zu wechseln. Ähnliche Verflechtungen gibt es auch in den einzelnen Branchenverbänden.

Für Mieter nachteiliges Verhältnis zu Ablesediensten und Vermietern: Mieter haben keinen Einfluss auf die Auftragsvergabe, müssen aber die Kosten tragen. Der Vermieter ist nicht verpflichtet, unterschiedliche Angebote einzuholen. Ein kostenneutraler Anbieterwechsel ist nur alle 30 Jahre möglich.

Infografik der Verbraucherzentrale: Für Mieter nachteiliges Verhältnis zu Ablesediensten und Vermietern

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Wie finde ich als Mieter*in heraus, ob ich zu viel fürs Heizungsablesen zahle?

Als Mieter*in müssen Sie selbst herausfinden, ob Sie zu viel zahlen. Dafür haben Sie das Recht, die Originalunterlagen einzusehen, die Basis für Ihre Heizkostenabrechnung sind. Prüfen Sie mit unserem interaktiven Heizkostenrechner Ihre Heizkostenabrechnung. Im ersten Schritt werden die Heizkosten bewertet. Danach können Sie mit dem Kostentest die Heiznebenkosten analysieren. Darin sind auch die Kosten für den Messdienstleister enthalten.

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Was kann ich gegen zu hohe Kosten fürs Heizungsablesen tun?

Sie haben festgestellt, dass Sie zu viel fürs Heizung ablesen bezahlen? Als Mieter*in können Sie sich wehren: Wenden Sie sich am besten direkt an Ihre Hausverwaltung und machen Sie diese auf das Sparpotenzial aufmerksam. Wenn Ihr Hinweis auf das Wirtschaftlichkeitsgebot im Bürgerlichen Gesetzbuch nichts bringt, sollten Sie sich Hilfe bei einem Mieterverein in Ihrer Nähe holen – zum Beispiel dem Deutschen Mieterbund

Wie finde ich günstige Messdienstleister?

In Deutschland sind zahlreiche Messdienstleister aktiv. Manche Unternehmen sind bundesweit tätig, andere nur in bestimmten Postleitzahlgebieten. Unsere Liste (PDF, 267 kB) gibt Ihnen einen Überblick über alle Messdienstleister. Werden Sie aktiv und finden Sie einen günstigen Messdienstleister:

  • Fordern Sie Angebote von mehreren Anbietern an. Berücksichtigen Sie dabei auch lokale Unternehmen in Ihrer Region. Oft lassen sich langfristig Kosten sparen.
  • Haken Sie nach, wenn sich Angebote schwer vergleichen lassen.
  • Erfragen Sie bei anderen Hausverwaltungen, welche Anbieter sie beauftragt haben und wie viel sie für die Dienstleistungen bezahlen.
  • Tauschen Sie sich als Mieter*in auch mit anderen über die Kosten Ihres Messdienstleister aus.

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Ablesetermin verpasst – drohen zusätzliche Kosten?

Keine Sorge: Messdienstleister dürfen generell keine zusätzlichen Kosten berechnen, wenn Mieter*innen den Ablesetermin verpassen. Anders lautende Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Messdienstleister sind unwirksam. Erst wenn ein zweiter Ablesetermin ohne Rückmeldung seitens der Mieterin oder des Mieters nicht zustande kommt, muss diese/r für einen dritten Termin zusätzliche Kosten tragen. Diese dürfen Messdienstleister allerdings nicht direkt kassieren. Sie werden in der jährlichen Heizkostenabrechnung erhoben. Auch Berufstätige müssen Ablesetermine tagsüber möglich machen.

Ablesetermine müssen mindestens 14 Tage vorher schriftlich angekündigt werden. Dies kann durch einen deutlich sichtbaren Aushang geschehen.

Nur wenn zwingende Gründe das Ablesen verhindern oder das Messgerät ausfällt, darf der Messdienstleister die Heizkosten schätzen. Ist dies bei mehr als einem Viertel der Wohnfläche im Haus der Fall, sind die Heizkosten nach Fläche aufzuteilen.

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Fernablesung der Heizung Pflicht seit Oktober 2020

Seit 25. Oktober 2020 sollen nur noch fernablesbare Wärmemengenzähler und Heizkostenverteiler verbaut werden. Bereits vorhandene Geräte sollen bis 2027 nachgerüstet werden – sofern technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll. Diese Anforderungen schreibt die EU-Energieeffizienz-Richtlinie von Ende 2018 vor. Ziel der Änderung ist, das jährliche Ablesen der Heizung für Verbraucher*innen zu vereinfachen:

  • Erleichterte Abrechnung: Durch die Fernablesung sind Mieter*innen nicht mehr gezwungen, am Tag der Ablesung zu Hause zu sein oder jemanden zu organisieren, um den Messdienstleister an die Heizung zu lassen.
  • Mehr Transparenz über die eigenen Verbräuche: Die Energieeffizienz-Richtlinie sieht auch vor, dass Mieter*innen regelmäßiger über ihre Verbräuche informiert werden, um sie zum Energiesparen zu motivieren. Bei fernablesbaren Heizungen sollen seit 25. Oktober 2020 mindestens zweimal jährlich Informationen zu Verbräuchen an die Mieter*innen gehen, zum Beispiel auch per E-Mail oder App. Ab 2022 sollen Mieter*innen mit fernablesbaren Heizungen innerhalb der Heizsaison mindestens monatlich über ihre Verbräuche informiert werden.

Novelle der Heizkostenverordnung

Damit die EU-Energieeffizienz-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt wird, ist eine Anpassung der Heizkostenverordnung nötig. Mit dieser Novelle sollen ebenfalls die Empfehlungen des Bundeskartellamts umgesetzt werden, die aus der Sektorenuntersuchung über Ablesedienste hervorgegangen sind.

Dazu gehört zum Beispiel, mehr Transparenz bei den Preisen zu schaffen und die Messtechnik kompatibler zu gestalten. Nur mit diesen Anpassungen würde auch etwas für den Verbraucherschutz getan, denn aktuell ändert die Fernablesung nichts daran, dass Mieter*innen die Kosten für die Ablesung tragen müssen.

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