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Gasanbieter wechseln und leicht 200 bis 300 Euro sparen!

Auf verivox.de landen viele, die im Internet nach einem günstigeren Anbieter für Strom oder Gas suchen. Dagmar Ginzel von Verivox erklärt, wie es um die Gaspreisentwicklung steht, was Verbraucher beim Gasanbieter wechseln beachten sollten – und wie viel sie dabei sparen können.

Frau Ginzel, lohnt es sich, den Gasanbieter zu wechseln?

Klares Ja.

Wie viel können Verbraucher dabei sparen?

Das hängt ein wenig von den regionalen Gegebenheiten ab und ob sich die Verbraucher schon einmal um einen günstigeren Tarif gekümmert haben. Wer noch nie gewechselt hat und im teuren Grundversorgungstarif ist, kann über 600 Euro einsparen. Wurde schon einmal ein günstigerer Tarif ausgewählt, sind noch 200 bis 300 Euro Einsparung drin. Es gibt große Preisunterschiede zwischen den Anbietern, die Verbraucher nutzen sollten.

Der Strommarkt wurde 1998 liberalisiert, der Markt für Erdgas zog 2007 nach. Worin unterscheiden sich beide Märkte noch?

Der Gasmarkt ist mit Verspätung gestartet, hat aber schnell aufgeholt. Im Bereich Strom gibt es jedoch immer noch mehr Anbieter. Pro Postleitzahlengebiet gibt es aktuell durchschnittlich 176 Stromanbieter und 127 Gasanbieter. In beiden Bereichen ist also seither ein lebhafter Wettbewerb entstanden.

Der Markt lebt also – aber wie sieht das auf Verbraucherseite aus? Wie viele Wechsler gibt es in Deutschland?

Laut Angaben der Bundesnetzagentur hat ein knappes Drittel der Stromkunden einen Anbieter, der nicht der örtlichen Grundversorger ist, bei den Gaskunden ist es ein Viertel. Pro Jahr gibt es rund 6 Millionen Anbieterwechsel. Das sind viele, aber der Großteil der Verbraucher verharrt noch in zu teuren Verträgen.

Gaspreisentwicklung: Wechsel lohnt immer mehr

Wie wird die Entwicklung weitergehen?

In den vergangenen Jahren sind die durchschnittlichen Gaspreise langsam aber stetig gefallen. Das liegt auch an dem verschärften Wettbewerb zwischen den Anbietern. Zuletzt sind die internationalen Großhandelspreise für Erdgas jedoch deutlich gestiegen. Einige Anbieter werden diese Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben. Daher ist jetzt eine gute Gelegenheit, sich ein günstiges Angeboten zu sichern.

Ist es möglich, in jedem Ort in Deutschland zwischen mehreren Anbietern zu wählen?

Unserer Erfahrung nach verfügen sämtliche in Deutschland erschlossenen Gebiete auch über mehrere Anbieter, sodass der Verbraucher immer die Chance hat zu wählen. Aber natürlich gibt es nicht überall Gas. Es gibt rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland, davon heizt ungefähr die Hälfte mit Gas. Von diesen haben wiederum rund zehn Millionen einen eigenen Vertrag mit dem Anbieter. Die restlichen Verbraucher können den Anbieter nicht wechseln, weil beispielsweise der Vermieter den Vertrag für ein Mietshaus abgeschlossen hat.

Grundlose Furcht beim Gasanbieter wechseln

Was sind die Hemmnisse für Verbraucher, den Anbieter zu wechseln?

Verbraucher schieben einen Wechsel ähnlich gern hinaus wie ihre Steuererklärung. Statt sich richtig zu informieren, warten sie mit der unbegründeten Befürchtung im Hinterkopf, dass das alles furchtbar kompliziert ist. Und manche denken tatsächlich noch, dass bei einem Anbieterwechsel das Gas zeitweise abgestellt werden kann. Das ist aber völlig ausgeschlossen – dafür hat der Gesetzgeber gesorgt.

Was ist bei einem Anbieterwechsel zu beachten?

Der erste Schritt: Informieren Sie sich. Was habe ich für einen Vertrag, was bezahle ich, wie sind meine Kündigungsfristen? Mit meinem Verbrauch und meiner Postleitzahl kann ich dann mit dem Verivox-Rechner die lokalen Anbieter vergleichen. Wichtig: Der bezahlte Preis der letzten Rechnung ist kein guter Vergleichswert – die Preise ändern sich schnell. Der Rechner vergleicht deshalb automatisch die aktuellen Kosten der verschiedenen Anbieter miteinander. Alle notwendigen Angaben finden sich auf der letzten Jahresabrechnung.

Was ist der nächste Schritt?

Der Mieter oder Vermieter sucht sich einen der angegebenen Anbieter aus. Wir empfehlen, einen Anbieter zu wählen, der den Preis für mindestens ein Jahr garantiert. Dann muss ich nicht alle zwei oder drei Monate nachsehen, ob sich der Preis geändert hat und ich schon wieder aktiv werden muss. Darüber hinaus sollten Verbraucher darauf achten, eine kurze Kündigungsfrist zu wählen. In unserem Angebotsvergleich empfehlen wir nur Tarife mit solchen fairen Bedingungen.

Gasanbieter wechseln und sparen

Welchen Fehler gilt es beim Anbieterwechsel auf jeden Fall zu vermeiden?

Viele Verbraucher sehen sich ihren bestehenden Vertrag nicht richtig an – und suchen sich einen neuen Anbieter, obwohl sie aus ihrem alten Vertrag überhaupt nicht rauskommen. Unser grundsätzlicher Rat: Kündigen Sie Ihren Vertrag nicht selbst, sondern lassen Sie das den neuen Anbieter übernehmen. Mit einer Ausnahme: Wenn Sie Ihren Vertrag kündigen wollen, weil der Anbieter die Preise erhöht hat, sollten Sie das selbst tun. Dafür reicht eine formlose Nachricht aus.

Thema Biogas/Ökogas: Wie sieht da der Markt aus? Gibt es Unterschiede zwischen „echtem“ Biogas und Klimatarifen? Was sollten Verbraucher wissen, wenn sie CO2-arm heizen wollen?

Unter den Sammelbegriff Ökogas fallen zwei sehr unterschiedliche Arten von Tarifen: Klimatarife, die das verursachte CO2 ausgleichen, und Biogastarife, bei denen ein bestimmter Prozentsatz an Methan aus erneuerbaren Energiequellen zugemischt wird. Der Anteil kann wenige Prozent betragen, manche Gasversorger bieten jedoch auch Tarife mit 100 Prozent Biogas an. Hier wird das verursachte CO2 nicht direkt ausgeglichen.

Am weitesten verbreitet sind Klimatarife. Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt mit einem solchen Tarif im Vergleich zum günstigsten verfügbaren rund 50 Euro mehr pro Jahr. Biogastarife sind seltener und je nach Biogas-Anteil auch deutlich teurer als herkömmliche Gastarife. Sie sind vor allem für Haushalte interessant, die damit einen bestimmten Anteil erneuerbarer Energien im Rahmen von Bauvorschriften nachweisen können.

 

Das Interview wurde im September 2010 geführt und im September 2018 aktualisiert.

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