Fernwärme: Technik, Nutzung, Kosten und Alternativen

Für viele Hauseigentümer hängt die Entscheidung für oder gegen Fernwärme vor allem an zwei Fragen: Wie hoch sind die Kosten für Technik und Nutzung – und rechnet sich das für mich? Pauschal lässt sich das kaum beantworten. Vor allem weil es große regionale Unterschiede bei den Kosten gibt, aber auch weil Alternativen individuell zu prüfen sind.

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Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Fernwärme in Deutschland drittwichtigster Heizenergieträger
  • Fernwärmeanschlüsse vor allem in Ballungsgebieten möglich
  • Fernwärme gilt als klimafreundlich
  • Fernwärmelieferanten bilden oft regionale Monopole
  • Umstellen auf Fernwärme durch zahlreiche Maßnahmen gefördert

Was ist Fernwärme und wie funktioniert sie?

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Fernwärme entsteht hauptsächlich bei der Produktion von Strom
  • über Leitungsnetz gelangt Fernwärme zu Verbrauchern
  • Fernwärme hauptsächlich in Ballungsgebieten verfügbar
  • seit 19. Jahrhundert wird in Deutschland Fernwärme genutzt
  • Ausbau von Fernwärmenetzen unterscheidet sich regional stark

Was ist Fernwärme? Definition

Fernwärme entsteht hauptsächlich durch Kraft-Wärme-Kopplung: der gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme. Sie kann mit jeder Art von Brennstoff hergestellt werden – auch mit erneuerbaren Energien. Die thermische Energie wird über wärmegedämmte Rohre zum Verbraucher geleitet, der damit heizt oder Warmwasser erzeugt.

Aufbau und Funktionsweise von Fernwärmeheizungen

Isolierte und meist erdverlegte Fernwärmeleitungen transportieren heißes Wasser oder auch Dampf vom Kraftwerk zum Verbraucher. Dieser einfache Aufbau dürfte den meisten bekannt sein, die Funktionsweise dagegen nicht. Unterschieden wird beim Aufbau zwischen indirekter und direkter Versorgung:

  • Die indirekte Versorgung ist typisch für Neuanlagen und arbeitet mit zwei getrennten Kreisläufen: einem für die Fernwärme und einem Heizkreis. Dabei reguliert die hauseigene „Fernwärmeübergabestation“, dessen Herzstück ein Wärmetauscher ist, zunächst auf die benötigte Temperatur herunter und überträgt die Wärme von dem einen Kreislauf in den anderen.
  • Bei der direkten Versorgung fließt das Fernwärme-Wasser durch den Heizkreis. Einen Wärmetauscher gibt es dort nicht.

In den inzwischen unüblichen Dampfnetzen funktioniert die Übertragung anders: Auch hierbei kommt ein Wärmetauscher zum Einsatz, in dem der Dampf kondensiert. Der Verbrauch wird bei indirekter und direkter Versorgung über den Fernwärmezähler erfasst. Bei Dampfnetzen übernimmt ein Warmwasserzähler die Messung. Über die Fernwärmeleitung beziehungsweise Fernwärmerücklaufleitung gelangt das erkaltete Wasser wieder zum Kraftwerk und der Kreislauf beginnt von vorn.

Der hauseigene Rücklauftemperaturbegrenzer sorgt dafür, dass die vom Versorger festgelegten Rücklauftemperaturen (in der Regel zwischen 45 und 55 Grad Celsius) eingehalten werden. Um die Haushalte mit der benötigten Wärme zu beliefern, legt der Versorger die Vor- und Rücklauftemperaturen des Netzes und der Anschlussnehmer in den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) fest. Die Fernwärme wird „gleitend“ geliefert, das heißt die Vorlauftemperatur erhöht sich, wenn die Außentemperatur sinkt.

Die maximale Wärmeleistung einer Hausstation – auch Anschlussleistung oder Anschlusswert genannt – ergibt sich aus dem Volumenstrom des Wassers und dem Unterschied zwischen Vor- und Rücklauf im Auslegungsfall (niedrigste zu erwartende Außentemperatur – je nach Ort zwischen minus 10 und minus 15 Grad Celsius). Das bedeutet, dass die vereinbarte Wärmeleistung nur an den kältesten Tagen im Jahr bereitgestellt wird. Ist es wärmer, wird nur ein Teilbedarf zur Verfügung gestellt. Bei Dampf dagegen ist die maximale Wärmeleistung immer verfügbar, da sie aus der Kondensationswärme gewonnen wird.

Hydraulisch abgeglichene Heizanlagen erreichen in der Regel die Vorgaben des Versorgers zur maximalen Rücklauftemperatur. Liegt die Rücklauftemperatur der Heizanlage in Sonderfällen über der vom Versorger vorgegebenen Temperatur und wird diese nicht begrenzt, würde das Gebäude weniger Leistung bekommen als vereinbart. Entsprechend muss mehr Leistung bestellt werden. Bei Fußbodenheizungen wird die Rücklauftemperatur mit 35 bis 40 Grad Celsius unterschritten – entsprechend weniger Leistung kann bestellt werden.

Je kälter das Wasser im Kraftwerk ankommt, umso mehr Wärme kann es wieder aufnehmen. So steigt der Wirkungsgrad des Kraftwerks. Es muss weniger Wasser durch den Kreislauf gepumpt werden, was zu sinkenden Stromkosten führt. Eine effektive Nutzung der Fernwärme ist also Hintergrund der Vorgaben beziehungsweise der Begrenzung der Rücklauftemperatur durch den Versorger.

Verfügbarkeit von Fernwärme

Die Verfügbarkeit von Fernwärme ist regional unterschiedlich, denn das Fernwärmenetz in Deutschland ist vor allem in Ballungsgebieten gut ausgebaut. Ist eine Fernwärmeversorgung dank heimischem Anbieter grundsätzlich möglich, kann ein Fernwärmeanschluss für ein Gebäude nachgerüstet werden. Um die Installation kümmert sich ein Fachbetrieb. Fernwärme ist nur als Zentralheizung sinnvoll, an der alle Wohneinheiten eines Hauses angeschlossen sind. Der Installationsaufwand als Etagenheizung wäre zu hoch, da ein eigenständiger und zusätzlicher Heizkreislauf installiert werden müsste. Außerdem würde solch ein Anschluss wegen der vergleichsweise höheren Anschluss- oder Baukostenzuschüsse teurer und damit unwirtschaftlich.

Liegen Erzeuger und Verbraucher dicht beieinander, spricht man von Nahwärme beziehungsweise Nahwärmeversorgung. Im Unterschied zu Fernwärme handelt es sich bei Nahwärme meist um kleinere Kraftwerke.

Geschichte und Zukunft der Fernwärme in Deutschland

Fernwärme hat eine lange Geschichte in Deutschland. Die Anfänge für größere Fernheizanlagen liegen laut Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK (AGFW) um 1870. Bereits früh kombinierte man die Produktion von Strom und Wärme durch Kraft-Wärme-Kopplung. Besonders der Vorzug, keine eigenen Feuerstellen zu unterhalten, sprach für die Fernwärme.

1929 gab es in Deutschland zwanzig Anlagen zur Versorgung mit Fernwärme. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann vor allem in Westdeutschland der Aus- und Wiederaufbau der Anlagen. In der Folgezeit entwickelte sich die Fernwärme rasant weiter. In den 1970er und 1980er Jahren wurde in der DDR hauptsächlich in den Städten mit Fernwärme geheizt.

Heutzutage belegt die Fernwärme den dritten Platz bei den meistgenutzten Heizenergieträgern. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nutzen 5,5 Millionen Haushalte diese Art der Wärmegewinnung. Das entspricht einem Anteil von gut 15 Prozent aller deutschen Haushalte. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin wird im Vergleich der Bundesländer am meisten Fernwärme erzeugt. Im Osten ist der Fernwärmeanteile größer als im Westen. Bundesweit wurde seit der Wiedervereinigung im Jahr 2010 am meisten Fernwärme verbraucht. Seitdem ist der Verbrauch auf einem leicht niedrigeren Stand relativ konstant.

Um die Ziele der Bundesregierung zum Senken der CO2-Emissionen zu erreichen, ist in den vergangenen Jahren auch der Ausbau von Fernwärme in den Fokus gerückt. Dazu sind vor allem die Kraft-Wärme-Kopplung und das Nutzen von bereits anfallender Abwärme der Industrie geeignet. Das Europäische Parlament hat im Jahr 2016 eine Europastrategie für den Wärmemarkt beschlossen. Fernwärme soll in Zukunft also auch europaweit zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beitragen. Um in Deutschland noch mehr Haushalte mit Fernwärme versorgen zu können, werden beispielsweise Fernwärmenetze in Nordrhein-Westfalen ausgebaut und miteinander verbunden.

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Nutzung von Fernwärme – Verbrauch, Einsparung, Kontrolle, Optimierung

Nutzung und Einstellungen bei Fernwärmeheizungen

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Fernwärme ist nachrüstbar
  • Baugenehmigung beantragt in der Regel der Fernwärmelieferant
  • in Neubaugebieten teils Anschlusszwang an das Fernwärmenetz
  • Verbrauch wird mittels Wärmezähler, bei Dampfnetzen mittels Warmwasserzähler erfasst
  • durchschnittliche CO2-Emmissionen niedriger als bei anderen Energieträgern

Für die Nutzung von Fernwärme gelten einige besondere Regeln. In Neubaugebieten gibt es teilweise Anschlusszwang an das Fernwärmenetz. Das heißt: Wer dort baut, muss Fernwärme nutzen und kann keinen anderen Energieträger verwenden. Bei Altbauten lässt sich ein Hausanschluss für Fernwärme jederzeit nachrüsten, wenn das Grundstück gut zugänglich ist und im Einzugsbereich eines Fernwärmenetzes liegt. Um die nötigen Baugenehmigungen kümmert sich normalerweise der Fernwärmelieferant. Er nennt auch geeignete Firmen, die den Ein- oder Umbau erledigen können.

Ein eigener Heizkessel und Schornstein sind bei Fernwärme unnötig. Das spart neben Geld für Wartung und Schornsteinfeger auch Platz. Vorhandene Warmwasserspeicher sind oft weiterhin nutzbar. Für die richtige Temperatur sorgt bei Fernwärme die hauseigene „Wärmeübergabestation“, in erster Linie ein Wärmetauscher. Verbaut werden heute meist Kompaktstationen, die bereits alle Komponenten (außer Warmwasserspeicher) enthalten. Eine witterungsgeführte Regelung steuert den Wärmebedarf des Gebäudes.

Einstellungen sind an der Fernwärme-Heizung in der Regel nicht vorzunehmen. Es sei denn, der Wärmeschutz (Dämmung, Fenster) oder die Wärmeverteilung wurden verbessert. Dann ist die Heizkurve nach unten anzupassen und weniger Wärmeleistung beim Versorger zu bestellen. Aber auch eine Heizung mit Fernwärme ist regelmäßig zu entlüften – vor allem wenn ein Heizkörper gluckert oder nicht richtig warm wird. Sowohl Mieter als auch Hausbesitzer können das selbst erledigen. Wie es geht, zeigt die Bilderstrecke.

Die durchschnittlichen CO2-Emmissionen fallen bei Fernwärme niedriger aus als bei anderen Energieträgern. Allerdings gibt es große Unterschiede, je nachdem mit welchem Energieträger und mit welcher Technik die Fernwärme produziert wird. Der CO2-Emissionsfaktor beträgt in Deutschland im Schnitt 295 Gramm (g) je Kilowattstunde (kWh). Bei Braunkohle sind es dagegen 449 und bei Erdöl 313 g/kWh. Erdgas (241) und Flüssiggas (261) schneiden zwar besser ab als durchschnittliche Fernwärme, aber schlechter als die durchschnittliche Nahwärme mit 216 g/kWh.

Für den durchschnittlichen Fernwärme-Wert von 295 g/kWh sorgen Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und reine Heizwerke. Letztere sind weniger effizient und verursachen deutlich mehr CO2-Emissionen. Nah- oder Fernwärme mit einem hohen Anteil an KWK schneidet deutlich besser ab als Erdgas. Noch niedriger sind die CO2-Emissionen, wenn Nah- oder Fernwärme mit erneuerbaren Energieträgern wie Holz-Hackschnitzeln, Solarwärme oder Überschüssen erneuerbaren Stroms erzeugt wird.

Um den Bedarf an Primärenergie zu ermitteln, werden auch Aufwendung und Verluste beim Erzeugen der Energie sowie deren Nachhaltigkeit berücksichtigt. Verluste treten bei Fernwärme beispielsweise durch den Transport auf. Diese Verluste von durchschnittlich zwölf Prozent werden im Primärenergiefaktor berücksichtigt. Der durchschnittliche Primärenergiefaktor für Fernwärme und Nahwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung beträgt 0,7; Anbieter aus Hamburg und Berlin kommen sogar auf 0,56 bis 0,57. Der Primärenergiefaktor für Fernwärme und Nahwärme aus Heizwerken beträgt 1,3. Zum Vergleich: Bei fossilen Brennstoffen liegt der Faktor zwischen 1,1 und 1,2; bei Strom bei 1,8 (bis 2016: 2,8).

Auch bei Fernwärme können Sie für eine Einsparung sorgen und so Ihre Heizkosten senken – im Fachartikel finden Sie passende Tipps zum Kosten sparen bei Fernwärmeheizungen. Eine Möglichkeit für die Optimierung des Fernwärme-Verbrauchs ist das Dämmen des Gebäudes. Gute Gründe für das Dämmen, wie es geht und weitere Informationen finden Sie in unserem Dossier zur Wärmedämmung. Im ModernisierungsCheck können Sie die Wirtschaftlichkeit dieser und anderer Verbesserungsmaßnahmen an Gebäuden berechnen.

Verbrauch und Abrechnung von Fernwärme

Wie hoch die Heizkosten bei Fernwärme sind, hängt vom örtlichen Fernwärmepreis und vom Verbrauch ab; der Verbrauch wiederum überwiegend vom Gebäudezustand (Neubau oder Altbau, großes oder kleines Gebäude) – und auch vom individuellen Heizverhalten und vom Bedarf an Warmwasser.

Fernwärme-Verbrauch ablesen

Abgelesen wird der Verbrauch am Wärmezähler (Dampf: Warmwasserzähler). Dessen Daten fließen in die Abrechnung des jeweiligen Anbieters ein – zusammen mit den Grundkosten und eventuellen Dienstleistungsgebühren. Abgerechnet wird Fernwärme, wie bei den meisten anderen Energieträgern auch, einmal im Jahr. Üblich sind monatliche Abschlagszahlungen.

Der Verbrauch von Fernwärme lässt sich auch in Kubikmeter (m3) Gas umrechnen. Erdgas hat einen Heizwert von etwa 10 kWh/m3. 100 kWh Fernwärme entsprechen also circa 10 m3 Erdgas. Es ist allerdings wenig sinnvoll, den Fernwärme-Verbrauch einfach in einen Gas-Verbrauch umzurechnen. Denn im Vergleich zu Erdgas oder Heizöl fallen keine zusätzlichen Verluste abhängig vom Wirkungsgrad des Kessels an. Daher ist der Fernwärmeverbrauch immer 10 bis 20 Prozent günstiger als bei fossilen Energieträgern. Besser vergleichen können Sie die durchschnittlichen Heizkosten pro m2 anhand unseres Vergleichsartikels.

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Vor und Nachteile von Fernwärme und Vergleich zu Alternativen

Fernwärme ist umweltfreundlich und schont das Klima. Aber neben einigen Vorteilen hat Fernwärme auch Nachteile.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Fernwärme oft klimafreundlicher als andere Energieträger
  • Fernwärme-Anbieter bilden oft regionale Monopole
  • hauptsächlich fossile Energieträger im Einsatz für Fernwärme-Produktion
  • häufigste Alternativen zur Fernwärme: Wärmepumpe, Erdgas und Heizöl

Vor und Nachteile von Fernwärme

Vorteile:

  1. Fernwärme ist bei KWK-Erzeugung ein Nebenprodukt und muss daher nicht extra produziert werden. Brennstoffe für die Stromproduktion lassen sich so effektiver nutzen. Durch den verringerten Ausstoß an CO2 ist Fernwärme vergleichsweise klimafreundlich.
  2. Für Neubauten: Steigende EnEV- und KfW-Anforderungen sind mit KWK-Fernwärme oft leichter erfüllbar als mit anderen Energieträgern.
  3. Bereits vorhandene Heizungsanlagen können an Fernwärme angeschlossen werden.
  4. Ein eigener Verbrennungskessel, Heizöltank für Heizöl und Schornstein sind überflüssig. Auch die Kosten für den Schornsteinfeger entfallen. Das spart Geld für Wartung und Platz.
  5. dauerhafte Alternative bei Verbot von Erdgas- und Heizöl-Heizungen (Beispiel: Dänemark)
  6. Verteilungs- bzw. Netzverluste halten sich in Grenzen (circa 5 bis 12 Prozent)

Nachteile:

  1. Fernwärme ist nicht flächendeckend verfügbar (Bundesregierung plant umfassenden Ausbau der Nahwärmenetze).
  2. Wirtschaftlichkeit des Anschlusses ist abhängig von dem vom Versorger aufgerufenen Anschluss- beziehungsweise Baukostenzuschuss. Übergabestation selbst ist deutlich günstiger zu haben als ein neuer Heizkessel.
  3. In der Regel gibt es nur einen regionalen Anbieter. Faktisch sind Verbraucher mit Monopolen konfrontiert und können den Anbieter nicht wechseln. Durch den mangelnden Wettbewerb sind hohe Energiepreise möglich. Daher sind die Preis- und Anschlusskonditionen genau zu prüfen.
  4. Kunden binden sich langfristig an einen Anbieter (10 Jahre, bei Vertragsverlängerung 5 Jahre).
  5. Kleinere Gebäude wie Einfamilienhäuser werden von Versorgern wegen fehlender Wirtschaftlichkeit auf Versorgerseite möglicherweise nicht an die Fernwärme angeschlossen.
  6. Wenn kein für das Versorgungsunternehmen wirtschaftlich interessanter Abnehmer da ist, gibt es oft keine Fernwärmeleitung.
  7. Der Großteil der Fernwärme-Produzenten setzt nach wie vor auf fossile Energieträger.

Alternativen zur Fernwärme

Der Ausbau der Fernwärmenetze sorgt dafür, dass Hauseigentümer und Bauherren immer häufiger vor der Frage „Fernwärme oder Gas?“ oder „Fernwärme, Gas oder Öl?“ stehen. Ausschlaggebend ist für die meisten der Kostenvergleich. Die durchschnittlichen Heizkosten pro Quadratmeter können Sie leicht vergleichen. Bei Fernwärme gibt es allerdings regional große Unterschiede. Es ist also sinnvoll, einen Kostenvergleich mit dem örtlichen Anbieter anzustellen. Der AGFW veröffentlicht jährlich die aktuellen Fernwärmepreise von etwa 200 Anbietern. Der durchschnittliche Mischpreis liegt je nach Bundesland beispielsweise bei einem Abnahmefall von 15 Kilowatt (kW) zwischen 66,34 und 84,99 Euro je Megawattstunde (MWh) – ein Unterschied von rund 28 Prozent. Der durchschnittliche Preis je Kilowattstunde (kWh) liegt bei 10,5 Cent.

Verteilung der Heizsysteme bei Neubauten von Ein-/Zweifamilienhäusern und Mehrfamilienhäusern in Deutschland 2015

Vor- und Nachteile von Gas gegenüber Fernwärme

VorteileNachteile
Vielzahl von Erdgas-Anbietern und Wechsel ist leichteigene Verbrennungsanlage im Haus mit Wartungskosten und Gebühren für Schornsteinfeger
tendenziell günstigere Preise durch offenen MarktKosten für Gasanschluss
vereinzelt Anbieter, die Bio-Erdgas und damit erneuerbare Energie anbietenhöherer CO2-Ausstoß

Vor- und Nachteile von Heizöl gegenüber Fernwärme

VorteileNachteile
Heizöl kann bei niedrigem Preis geordert werden.eigene Verbrennungsanlage im Haus mit Wartungskosten und Gebühren für Schornsteinfeger
Lagertanks benötigt, teils örtliche Auflagen oder Verbote
höherer CO2-Ausstoß

Wichtig ist, dass es neben Erdgas und Heizöl weitere Alternativen zu Fernwärme gibt. Zum Beispiel Wärmepumpen oder Pelletheizungen, womöglich kombiniert mit Solarthermie oder Photovoltaik. Auch diese Alternativen sollten bei der Suche nach einer wirtschaftlichen und klimafreundlichen Lösung berücksichtigt werden – am besten mit Hilfe eines Energieberaters.

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Kosten und Preise von Fernwärme

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • Preis von Fernwärme besteht aus Arbeitspreis, Leistungspreis bzw. Grundpreis und eventuellem Messpreis
  • Preis basiert meist auf vereinbarter Wärmeleistung
  • Wärmeleistung mitunter überdimensioniert – Faustregel zum Prüfen
  • Neukunden müssen oft Anschlussgebühr oder Baukostenzuschuss zahlen
  • Preis von Fernwärme im Vergleich oft deutlich teurer, bei Gesamtkosten jedoch keine großen Unterschiede

Was kostet Fernwärme? Preise und Kosten aufgeschlüsselt

Die Kosten für die Fernwärme setzen sich aus dem Leistungspreis bzw. Grundpreis (Euro/kW, Jahr) und dem Arbeitspreis (Cent/kWh) zusammen. Der Leistungspreis wird nach der vertraglich vom Fernwärmelieferanten vereinbarten vorzuhaltenden maximalen Wärmeleistung berechnet (kW).

Ist die vereinbarte Wärmeleistung zu hoch, ist der Leistungspreis höher als notwendig. Dann sollte die Leistung entsprechend angepasst werden. Ob die Leistung angemessen ist, können Sie per Faustregel prüfen: Teilen Sie dazu den Jahresverbrauch in kWh durch die Wärmeleistung in kW. Das Ergebnis sollte etwa 1.800 h betragen. Liegt der berechnete Wert deutlich darunter, sollten Sie handeln. Wenden Sie sich an den Versorger und lassen Sie sich einen Vorschlag für einen geringere Wärmeleistung unterbreiten. Sollte das nicht zum Ziel führen, können Sie einen unabhängigen Dienstleister einschalten, der Sie dazu kostenpflichtig berät (zum Beispiel mit einer unabhängigen „Fernwärme-Anschlussprüfung“).

Je nach Anbieter kann noch ein Messpreis für Messung und Abrechnung hinzukommen. Die Anbieter orientieren sich bei ihren Preisen am Wärmemarkt. Für den Neuanschluss an die Fernwärme wird eine einmalige Anschlussgebühr oder ein Baukostenzuschuss verlangt.

Die Kosten für Arbeit errechnen sich aus dem Arbeitspreis und dem gemessenen Verbrauch. Preisschwankungen bei den genutzten Brennstoffen der jeweiligen Kraftwerke wirken sich nur auf den Arbeitspreis aus. Ist im Liefervertrag eine Preisgleitklausel enthalten, behält sich der Anbieter vor, seine steigenden Kosten durch höhere Arbeitspreise an die Kunden weiterzugeben.

Wie bei anderen Heizungen auch kommen noch die Betriebsstromkosten für die Heizungspumpe hinzu, Kosten für die Wartung der Anlage fallen in der Regel nicht an. Es sei denn, es geht etwas kaputt oder die Verbrauchsdaten werden regelmäßig überwacht. Bei Mehrfamilienhäusern fallen noch Kosten für die Heizkostenerfassung und -verteilung zwischen den Wohnungen an.

Bei Neubau oder Umrüstung sind die Installationskosten und die damit verbundenen Anfangsinvestitionen zu berücksichtigen .

Kosten bei Fernwärme berechnen

Die Kosten unterscheiden sich bundesweit stark, da sie auch vom jeweiligen Fernwärmenetz abhängig sind. Eines in Ballungsgebieten mit vielen Abnehmern ist für den Anbieter deutlich günstiger zu unterhalten als weit verzweigte Netze im ländlichen Raum. Wer die Fernwärme-Kosten berechnen will, sollte also möglichst keine durchschnittlichen Werte verwenden, sondern die des örtlichen Fernwärme-Versorgers.

Die durchschnittlichen Fernwärme-Kosten pro kWh auf Basis des bundesweiten Heizspiegels liegen derzeit bei 10,5 Cent. Üblich ist bei Fernwärme auch die Angabe der Kosten pro MWh. Dies wären entsprechend 105 Euro je MWh. Wie oben beschrieben gibt es große regionale Unterschiede bei den Fernwärme-Kosten: Rund 28 Prozent sind es beispielsweise laut Untersuchung des AGFW. In Einzelfällen liegt der sogenannte Mischpreis oder Wärmepreis für kleine Gebäude bei 13 bis 14 Cent je kWh.

Die durchschnittlichen Fernwärme-Kosten pro Jahr ermittelt co2online regelmäßig für den Heizspiegel für Deutschland. Aus den Daten von 60.000 Haushalten werden Durchschnittswerte für einen 70 Quadratmeter-Haushalt berechnet. Neben den Kosten für den Energieträger werden auch die Heiznebenkosten berücksichtigt. Außerdem wird für die Berechnung die Gebäudefläche eines durchschnittlich großen Mehrfamilienhauses mit insgesamt 501 bis 1.000 m2 Gebäudefläche angenommen. Für das Abrechnungsjahr 2016 wurden Fernwärme-Kosten pro Jahr von 930 Euro berechnet. Daraus lassen sich auch durchschnittliche Fernwärme-Kosten pro Quadratmeter (m2) ableiten; 13,30 Euro je m2 und Jahr. Die mittleren Kosten für Fernwärme liegen laut Heizspiegel zwischen 8,90 und 14,90 Euro – abhängig von Gebäudegröße, Fernwärmeanbieter und Energieverbrauch.

Förderung für Fernwärme 2017

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

  • KfW, Bund, Länder, Kommunen und Anbieter unterstützen Umstieg auf Fernwärme
  • Hauseigentümer und Wohnungseigentümer können Förderung beantragen
  • Förderungen gibt es als Zuschuss oder als zinsgünstiges Darlehen
  • Anträge sind vor Beginn des Vorhabens zu stellen
  • Förderprogramme nicht immer mit anderen kombinierbar

Übersicht: Förderung für neue Fernwärmeheizungen

Neben der bundeseigenen Förderbank KfW unterstützen auch Bund, Länder, Kommunen, Stadtwerke und privatwirtschaftliche Energieversorger mit eigenen Maßnahmen den Umstieg auf Fernwärme – entweder durch einen direkten Zuschuss oder per zinsgünstigem Förderkredit. Passende Förderprogramme finden Sie mit dem FördermittelCheck. Für einen ersten Überblick über Förderung für Fernwärmeheizungen gibt es zudem Listen:

Förderung bzw. Zuschuss für Fernwärme beantragen – Schritt für Schritt

Es gibt eine große Zahl an unterschiedlichen Förderprogrammen mit jeweils anderen Anforderungen. Wichtigster Fördergeber ist die bundeseigene Förderbank KfW. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert das Optimieren der Fernwärme-Übergabestation („Heizungsoptimierung“). Hinzu kommen regionale und private Förderprogramme. Dementsprechend kann auch nicht pauschal angegeben werden, wie hoch die Förderung beziehungsweise der Zuschuss für Fernwärme ist und welche Kombinationsmöglichkeiten sinnvoll sind. Eine einheitliche Vorgehensweise gibt es ebenso wenig.

Bei Förderung beziehungsweise Zuschuss für Fernwärme gibt es große Unterschiede. So zahlen die Stadtwerke Bad Salzuflen zum Beispiel für Ein-/Zweifamilienhäuser einen Zuschuss von 300 Euro und bieten zusätzlich eine kostenlose Entsorgung von Heizöltanks an. Die Stadtwerke Ingolstadt zahlen je nach Anschlussleistung: von 160 Euro je kW (Ein- und Zweifamilienhäuser sowie kleinere Mehrfamilienhäuser) bis zu 8.000 Euro pauschal (größere Mehrfamilienhäuser).

Schritt für Schritt könnten Sie zum Beispiel so zur Fernwärme-Förderung gelangen – wenn klar ist, dass es vor Ort einen Anbieter für Fernwärme gibt und Ihr Gebäude grundsätzlich dafür geeignet ist:

  1. Schauen Sie sich nach Förderprogrammen um: mit dem FördermittelCheck oder mit der Fördermittel-Broschüre von co2online.
  2. Fragen Sie zusätzlich den regionalen Anbieter nach einer möglicherweise neuen Förderung.
  3. Wenden Sie sich für die weitere Planung und das Kombinieren von Fördermitteln und Maßnahmen an einen unabhängigen Energieberater. Den finden Sie zum Beispiel über die Expertensuche „Rat und Tat“. 

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